SHIFT – Designpraxis zwischen Diskriminierungskritik und Partizipation
FORMEN SIND MEHR ALS TRÄGER VON FUNKTION: SIE RAHMEN, SORTIEREN, UND STRUKTURIEREN WAHRNEHMUNG. SIE ENTSCHEIDEN DARÜBER, WAS LESBAR WIRD — UND WAS UNSICHTBAR BLEIBT.
WAS WIR SEHEN – ODER NICHT SEHEN – IST DAS ERGEBNIS VISUELLER ORDNUNGEN, DIE UNS SELBSTVERSTÄNDLICH ERSCHEINEN, JEDOCH TIEF IN SOZIALEN UND KULTURELLEN DEUTUNGSPROZESSEN VERANKERT SIND. GESTALTUNG FUNGIERT DABEI ALS SEMANTISCHES SYSTEM: SIE CODIERT, BEWERTET UND LENKT.
Gestaltung ist nicht neutral: Sie formt Realitäten, beeinflusst Wahrnehmungen und trägt zur (Re-)Produktion sozialer Strukturen bei. Vor diesem Hintergrund legt die Masterarbeit SHIFT den Fokus auf die gesellschaftliche Verantwortung von Design. Im Zentrum der gestalterischen Auseinandersetzung steht das Spannungsfeld zwischen Diskriminierungskritik und Partizipation: In dem es zum Einen darum geht, bestehende Machtverhältnisse und diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen und kritisch zu reflektieren. Als auch die Herausforderung anzunehmen, Gestaltungsprozesse zugänglich, kolaborativ und machtsensibel zu konzipieren.
Davon ausgehend wird untersucht, inwiefern gestalterische Interventionen – insbesondere im Rahmen von workshopähnlichen, prozessualen Formaten innerhalb der Gestaltungslehre – zur Vermittlung von Diversitätskompetenz und diskriminierungssensibler Haltung beitragen können. Die daraus entstandenen Tools geben Impulse für eine ganzheitliche Transformation gestalterischer Praxis.
Die Arbeit verknüpft dahingehend verschiedene theoretische Perspektiven – aus der diskriminierungskritischen Gestaltung, den Diversity Studies und dem partizipatorischen Design – miteinander und befragt sie kritisch. Aus der theoretischen Auseinandersetzung und einer gestalterischen Experimentierphase entsteht SHIFT, eine Box für Designstudierende, die sechs Interventionen für diversitätssensible Gestaltung enthält. Die Tools können, innerhalb gestalterischer Prozesse, als methodische Werkzeuge eingesetzt werden.
Dabei versteht SHIFT Gestaltung nicht nur als ästhetische Praxis, sondern als sozialen und politischen Prozess. Die Interventionen sollen Designer:innen ihre gestalterischen Handlungen und Haltungen bewusst machen, zur Selbstreflexion anregen und dabei helfen, diskriminierungssensible Perspektiven sowohl in der Designausbildung als auch in der -praxis zu verankern. SHIFT verweist dabei auf den notwendigen Perspektivwechsel in der Designpraxis: Weg von normativen, ausschließenden Gestaltungsmustern – hin zu einer reflexiven, inklusiven Haltung, die strukturelle Bedingungen hinterfragt und marginalisierte Perspektiven mitdenkt. Dabei schließt das Projekt den Versuch ein, Gestaltung nicht als abgeschlossene Form, sondern als Bewegung, zu verstehen, – hin zu einer kritisch-reflexiven, machtsensiblen Designpraxis.
„Design ist — heute — ein konstitutives Moment dessen, was unsere Welt zu einer menschlichen Welt macht.“
– Daniel Martin Feige, 2019