Digitale Plattformen haben die Bedingungen künstlerischer Arbeit in den letzten Jahren grundlegend verändert. Insbesondere im Musikbereich sind Produktions-, Veröffentlichungs- und Rezeptionsprozesse heute eng an algorithmisch organisierte Infrastrukturen gebunden. Streaming-Dienste und Social-Media-Plattformen strukturieren Sichtbarkeit, Reichweite und Erfolg und wirken damit nicht nur auf ökonomische Aspekte, sondern auch auf kreative Prozesse, Selbstverständnisse und Arbeitsweisen von Künstler:innen zurück.
Im deutschsprachigen Hip-Hop-Underground zeigt sich diese Entwicklung in besonderer Weise. Einerseits eröffnen digitale Plattformen neue Möglichkeiten der Selbstveröffentlichung und Unabhängigkeit von klassischen Gatekeepern. Andererseits entstehen neue Formen von Druck: kontinuierlicher Output, algorithmische Logiken, Selbstvermarktung und die Unsicherheit, ob sich künstlerische Arbeit langfristig ökonomisch tragen lässt. Künstlerische Freiheit, intrinsische Motivation und Flow-Erfahrungen geraten dabei zunehmend in ein Spannungsfeld mit marktförmigen Anforderungen.
Vor diesem Hintergrund steht die Frage im Zentrum, wie Artists dieses Spannungsfeld erleben, aushandeln und in ihre künstlerische Praxis integrieren. Besonders relevant ist dabei, dass viele dieser Erfahrungen nur bedingt sprachlich artikulierbar sind und sich häufig erst im Prozess des Machens, Produzierens und Reflektierens zeigen. Klassische wissenschaftliche Zugänge stoßen hier an ihre Grenzen. Ausgehend von dieser Problemlage verfolgt die Arbeit einen künstlerisch-forschenden Ansatz. Qualitative Interviews mit sieben selbstveröffentlichenden Artists aus dem deutschsprachigen Hip-Hop-Underground bilden die empirische Grundlage. Die gewonnenen Perspektiven werden jedoch nicht ausschließlich analysiert, sondern in einem künstlerischen Prozess weiterverarbeitet. Im Zentrum steht die Entwicklung des Mixtapes „Zwischen Druck & Flow“, das als epistemisches Medium fungiert: individuelle Erfahrungen werden durch Klang, Montage und Dramaturgie in eine gemeinsame, jedoch nicht homogene Erzählung.