Betrachtungen der Psychosomatik in gastronomischen Arbeitswelten
Die Küche ist ein Ort, an dem Handlungsabläufe sitzen müssen, sie ist ein gefährlicher Arbeitsplatz, an dem es zu intensiven Stressphasen kommt. Die Kund*innen sind König*innen, denen der Blick in die Abläufe und Arbeitsschritte verwehrt wird. Arbeitsschritte, die unter Zeit- und Leistungsdruck passieren müssen. Arbeiter*innen in der Gastronomie bewegen sich in heterogenen, oft prekären Berufsfeldern, die in der wissenschaftlichen Forschung bislang erstaunlich unterrepräsentiert sind. Während in anderen Branchen arbeits- und sozialpolitische Fragen längst umfassend analysiert wurden, geschieht dies in der Gastronomie meist nur vereinzelt und punktuell. Dabei drängen sich zahlreiche Fragen auf: Wie gehen Köch*innen, Service- und Thekenkräfte mit Stress um? Was motiviert sie, in einem Umfeld zu arbeiten, das von permanenter Anspannung geprägt ist? Welche Arbeitsmodelle existieren, und wie wirken sich Schichtsysteme auf Körper und Psyche aus? Was bedeutet in diesem Kontext menschenwürdige Arbeit? Und wie blicken die Arbeiter*innen selbst auf ihre Tätigkeit – zwischen Leidenschaft, Erschöpfung und sozialer Unsichtbarkeit?
Im Zentrum der Arbeit steht das Aufzeigen, ein sensibles Aufdecken von all dem, was hinter den Schwingtüren passiert. Der Raum soll geöffnet werden, für positive wie negative Erfahrungen, Wünsche, Traumata oder Hoffnungen. Die Gastroszene ist riesig, jeder einzelne Betrieb ist ein Apparat an logistischen, soziologischen, ökonomischen, ökologischen, psycho- logischen Handlungen und Geschehnissen. Dieser Nährboden wurde erforscht, erlebbar gemacht und nachvollziehbar aufbereitet.